Meine Netzpräsentation als Schauspieler, Kabarettist und Musiker


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THEATERARBEIT (und mehr)

Es war Fügung und kein Zufall: 1989 begegnete mir der Künstler Dominic de Fazio und durch seine ganz spezielle Theaterarbeit lernte ich mich voll zu entfalten und als Künstler entscheidend weiter zu entwickeln. Dominic de Fazio, italo-amerikanischer Schauspieler (Jahrgang 48), ausgebildet bei Lee Strasberg im »Actors Studio« New York, unterrichtete danach dort Strasbergs »Method-Acting«, entwickelte dann später seine eigene Methode, eine Kombination von Konstantin Stanislawskis »Systema« (dem Übervater heutiger Schauspielkunst) und Michael Tschechows »Psychological Gestures« sowie fernöstlicher Philosophie. Der europäische Ableger seines »Studio de Fazio« ist in Rom und war in den 90iger Jahren auch in Darmstadt. Dort und in Rom ließ ich mich, ziemlich unkonventionell, von 1989 bis 1997 zum Schauspieler ausbilden. Nicht die Vermittlung von Schauspieltechniken stand dabei im Vordergrund, sondern eine tiefe, kreative Persönlichkeitsentfaltung (»Sei, was du spielst!«), aus der echte Schauspielkunst entsteht.
Auch wenn heute leider aus Mr de Fazios Kunst nur noch seine »One-Man-Guru-Show mit Jüngern« geworden ist: Er hat unbestritten geniale Fähigkeiten und ich gewann durch ihn viel Substanz für meine künstlerische Arbeit. Besonders das »Sei, was du spielst«-Konzept begleitet mich seitdem erfolgreich.

Stark beeinflusst von Mr de Fazios Ausbildung, gründete ich 1991 die freie Theatergruppe: »Theater modus vivendi« in Offenbach a. M. Unter meiner Leitung, auch als Regisseur und Mitspieler, probierten fähige Amateure, Figuren nicht zu »spielen« sondern zu »sein«.
In diesem Sinn fanden sich: Heike Berg, Susanne Reerink, Thomas Stiefel und Thomas Werner, für unser erstes Projekt (1992):


»Onkel, Onkel« - ein absurdes Drama von Günter Grass.

»Onkel, Onkel« ist eine bitterböse Bloßstellung des »deutschen Geistes«: Hermann Bollin ist Systematiker von Beruf. Seine »Liebe zur Statistik« übt er als Serienmörder aus. Unfreiwillig macht er damit Karriere und wird »Medienstar«: als Mörder von Mädchen, Förstern, Friseuren und Opernstars (letztere laden ihn sogar zur eigenen »Ermordung« ein, zwecks Eigenwerbung).
Doch immer durchkreuzt beim letzten Mord einer Serie »der Zufall« seine Statistik. Als Pedant bewertet er jeden »Statistikfehler« als »Misserfolg« für die ganze Serie und entwertet so seine vorherigen »Erfolge«. Am Schluss wird er von spielenden Kindern, »zufällig« und völlig unsystematisch, mit seiner eigenen Pistole erschossen.

»Gott«, eine Farce von Woody Allen war unser zweites Projekt (1993) mit einem neuen Ensemble und ein riesiger Theaterspaß für alle. Allens Stück ist ziemlich bizarr. Er parodiert »Antikes Griechisches Theater« und stellt existenzielle Fragen: »Was ist wirklich? Sex? Oder wir (die Schauspieler) oder die (das Publikum)? Oder sind wir alle nur erfunden?«

Einen Ausschnitt sehen Sie, wenn Sie auf eines der Bilder klicken.

Im antiken Athen soll das jährliche Dramenfestival beginnen. Leider fehlt dem Autor Hepatitis (Frank Binder) noch der Schluss für sein Stück. Während er mit seinem Schauspieler Diabetes improvisiert, kommen beide ins Philosophieren über Gott, Sex und die Wirklichkeit. Weder finden sie Antworten, noch einen Schluss. Deshalb holen sie sich Leute von heute aus dem Publikum, die zwar das Stück vorantreiben, aber in immer andere Richtungen. Zwar wird das »eigentliche Stück« dann doch gespielt, aber Gott Zeus, der alles (auch das Stück) retten soll, fällt aus allen Wolken und stirbt, weil jemand den falschen Knopf an der »Gottmaschine« gedrückt hat. Das Stück endet wie es begann – ohne Schluss.
»Gott« war eine Höchstleistung für unser 9-Personen-Ensemble (geschrieben wurde es für 18) und unser größter Erfolg. Fast alle Aufführungen in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet waren ausverkauft.

Nix ist fix! Trotz unseres Erfolgs, warf uns das Hessenkolleg Frankfurt 1993 grundlos aus unserem Proben- und Aufführungsdomizil und wir wurden zur Wanderbühne. Denn es gibt kaum bezahlbare Proberäume im Frankfurter Raum für freie Gruppen. Das behinderte unsere nächsten Komödien-Projekte: »Trotz aller Therapie« (Chris. Durang) und »Mörderkarussel« (Ron Clark und Sam Bobrick).

Mein Konzept war sehr erfolgreich, denn an spielerischer Selbsterfahrung gab es im Rhein-Main-Gebiet Bedarf. Mit meiner Lebenserfahrung und meinen Erfahrungen mit der Schauspielkunst von Stanislawski, Tschechow und de Fazio, transformierte ich »Modus vivendi« zu einer Selbsterfahrungsgruppe, aber zu keiner »Psychogruppe«. Denn der Spaß am »Sich-Entdecken«, die eigenen Grenzen kennenzulernen und spielerisch zu überschreiten stand immer im Mittelpunkt. Unsere Aktivitäten zeigten allerdings bei einigen »nebenbei« (so die Rückmeldungen der Teilnehmer-/innen) auch therapeutische Wirkungen. Profitiert haben wir alle von diesem Konzept, menschlich wie künstlerisch.


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